Anlässlich des 500-jährigen Lutherjubiläums 2017 wurde ein eingeladener studentischer Realisierungswettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Grüngürtels der Stadt Wittenberg ausgelobt. Die ehemaligen Wallanlagen der Stadt sowie der Bahnhof sind in sieben Areale unterteilt, denen jeweils ein Themenschwerpunkt zugeordnet ist. Der Entwurf »Paradiesgarten«, betreut als Kooperation zwischen den Fachgebieten »Plastische und Räumliche Darstellung« (PRaDa) und »Konstruktives Entwerfen und Tragwerkslehre« (KET) der UdK, wurde mit dem ersten Preis für den Torraum »Kultur« ausgezeichnet. Drei punktuelle Installationen im Stadtpark, eine Kompostsilostadt, ein hängender, durch den Kompost gespeister Paradies-garten sowie ein ebenfalls durch den Kompost beheiztes Brunnenbecken, bilden eine raumgreifende Inszenierung im Park.
Aus dem Erläuterungsbericht: »Die Luft ist warm und es riecht nach feuchter, frischer Erde. Es ist seltsam windgeschützt zwischen den neun großen, dunklen, schwerfälligen Kompostkörpern. Die Formen sind unterschiedlich, manche groß und schlank, andere breit und flach. Der Tag zwischen den Erdformen ist halb Licht und halb Schatten. (...) Schwarze faustdicke Kabel laufen aus den Zylindern über den Boden zu einem scheinbar gemeinsamen Ziel. (...) Die Kabelenden laufen auf drei Meter Höhe in einen paradiesischen Garten. Das Beet steht schräg im Hang, die Wiese darunter ist begehbar. Die bepflanzte Fläche ist nur wenige Meter entfernt und ebenerdig zum höher gelegenen Weg. Tropische, bunte Pflanzen und Palmen wuchern nach oben, Luftwurzeln und Rankpflanzen wachsen zwischen den Stützen unter dem Beet und ergeben eine mit der Zeit dichter werdende Pflanzenhöhle. Plötzlich ein anschwellendes Rauschen, aus dem Beet steigt eine Dampfwolke empor, die den Garten in Nebel hüllt und langsam in kleinen Tropfen zu Boden rieselt oder einfach weggeweht wird. (...)
Die Wolke ist noch in der Mitte des Parks zu sehen. Die Kabel tauchen erst am anderen Ende der Parkanlage wieder auf. An einer Weggabelung kommen sie aus der Erde, schlängeln sich die Böschung hinab und schließen an ein längliches Becken an. Grober Beton zerschneidet das Tal gegenüber der Juristenstraße. Ein längliches, flaches Wasserbecken. (...) Manchmal eröffnet sich ein fast schon surreales Bild, Menschen sitzen im Becken und genießen das wärmende Wasser. Sonst ist es ruhig.«
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On the occasion of the 500th anniversary of Luther in 2017, an invited student competition was held for the artistic design of the green belt of the city of Wittenberg. The former ramparts of the city and the railway station are divided into seven areas, each of which is assigned a specific theme. The “Paradisgarten” design, supervised as a collaboration between the departments of “Plastic and Spatial Representation” (PRaDa) and “Constructive Design and Structural Engineering” (KET) at the UdK, was awarded first prize for the “Culture” gate area. Three installations in the city park, a compost silo city, a hanging paradise garden fed by compost, and a fountain basin also heated by compost, form a spacious installation in the park.
From the explanatory report: »The air is warm and smells of damp, fresh earth. It is strangely sheltered from the wind between the nine large, dark, heavy compost piles. Their shapes vary, some large and slender, others broad and flat. The day between the mounds of earth is half light and half shadow. (...) Black cables as thick as fists run from the cylinders across the ground to what appears to be a common destination. (...) The cable ends run three meters up into a paradise garden. The bed is sloped, and the meadow below is accessible. The planted area is only a few meters away and level with the higher path. Tropical, colorful plants and palm trees grow upwards, aerial roots and climbing plants grow between the supports under the flowerbed, creating a plant cave that becomes denser over time. Suddenly, there is a swelling noise, and a cloud of steam rises from the flowerbed, enveloping the garden in fog and slowly trickling to the ground in small drops or simply being blown away. (...)
The cloud can still be seen in the middle of the park. The cables only reappear at the other end of the park. At a fork in the path, they emerge from the ground, wind their way down the embankment, and connect to an elongated basin. Rough concrete cuts through the valley opposite Juristenstraße. An elongated, shallow water basin. (...) Sometimes an almost surreal image opens up, with people sitting in the basin and enjoying the warming water. Otherwise, it's quiet.«